„SEO-Content“: Lohnt sich das noch?
Bis zu 60 Prozent weniger Traffic über Suchmaschinen bei klassischem „SEO-Content“ berichten zahlreiche Website-Betreiber. Und das ist richtig. Website-Content mit einer informationellen Suchintention hat durch die Antworten von ChatGPT, AI Overviews und Co. massiv Traffic verloren.
Daher ist es verständlich, dass man sich die Frage stellt, ob sich sog. „SEO-Content“ überhaupt noch lohnt. In diesem Artikel erfährst Du meine vielleicht nicht erwartbare Einschätzung.
Das Wichtigste in Kürze
- SEO-Content war und ist zu kurz gedacht
- Informationeller Content ist weiterhin sehr wichtig und gehört zu einer nachhaltigen Content-Strategie dazu
- Dieser Content ist wichtig für KI-Sichtbarkeit, SEO und GEO, EEAT und alle menschlichen User, egal woher sie auf Deine Website gelangen
Streiche „SEO-Content“
Dir ist sicher aufgefallen, dass ich „SEO-Content“ in Anführungszeichen schreibe. Das ist Absicht und ich höre jetzt damit auf. Trotzdem ist es richtig. Den SEO-Content ist Quatsch. Content sollte niemals das Ziel haben, ausschließlich für Suchmaschinen oder auch KI-Systeme bzw. LLMs erstellt zu werden (Ausnahme evtl. Grounding Pages). Daher gibt es keinen SEO- oder GEO-Content.
Ist das neu? Nein, eigentlich nicht. Content wird immer für Menschen erstellt, damit diese letztendlich das Angebot einer Website oder auch eines anderen Publishing-Tools (z. B. Social Media) nutzen und idealerweise damit interagieren. SEO-Content hatte stets die Absicht, für definierte Keywords gut bei Google und Co. zu ranken. Das ist zwar richtig. Für viele SEOs war jedoch stets das Ranking der KPI und nicht der menschliche User, der klickt, den Content konsumiert und zielgerichtet interagiert (z. B. ein Produkt kauft).
Das Ranking war und ist eine Metrik, die man als SEO betrachten sollte. Ein gutes Ranking erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Klick auf die Website und dort eine Interaktion stattfindet. Auch der daraus resultierende Traffic ist in fast allen Fällen kein KPI, sondern nur eine Metrik auf dem Weg zum Ziel. Der KPI ist immer das, was hinten rauskommt wie z. B. Leads oder Conversions.
Und trotzdem machen wir Content immer für Menschen. Du willst doch am Ende Deinem Geschäftsmodell helfen. Das gilt für die klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) und die Optimierung für KI-Systeme und LLMs (GEO). Daher ist SEO-Content keine adäquate Bezeichung für hochwertigen und damit relevanten Content. Punkt.
Alternative zu SEO-Content
Braucht es eine alternative Bezeichnung? Nein. Content ist Content. Und jeder Content muss so gestaltet sein, dass er für Menschen relevant ist und im Idealfall auch für Google, ChatGPT und Co. auffindbar ist.
Dafür braucht es keinen SEO-Content. Es braucht es hochwertigen Content mit echtem Mehrwert und einem authentischem Storytelling. Berücksichtigt man dabei den ein oder anderen Aspekt der Content-Optimierung, hilft das. Guter Content hat mit SEO-Content-Spam, der nur auf veraltete Methoden der Content-Optimierung zurückgreift, nichts zu tun.
Content, zur klareren Abgrenzung gerne Website-Content. Aber bitte nicht SEO-Content oder SEO-Text oder sonst irgendeine verbrannte und unwürdige Bezeichung.
Blogs, Ratgeber, Magazine
Der Verlust von organischem Traffic aus Suchmaschinen ist im Großen und Ganzen real. Website-Betreiber sprechen je nach Branche von 20 bis 60 Prozent Traffic-Verlust. Besonders betroffen ist informationeller Content, der sehr häufig in Blogs, Ratgebern und Magazinen zu finden ist.
Ich habe zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass man auch heute noch mit informationellem Content deutliche Traffic-Zuwächse erreichen kann:
In diesem Beispiel, das ich beim KI-Summit Südwest 2026 gezeigt habe, sieht man einen Anstieg der Klicks in der Google Search Console für einen einzelnen Artikel innerhalb des hansgrohe Magazins – ja, Klicks sind nicht gleich Traffic, die Tendenz ist aber klar. Und trotzdem sind das Best-Practice-Beispiele, die auch bei uns nicht für jeden Artikel gleichermaßen funktionieren.
Über viele Branchen und Methoden hinweg beantworten LLMs und insbesondere auch die AI Overviews innerhalb der Google-Suche zahlreiche informationelle Anfragen so, dass man nicht mehr klicken und sich die Inhalte mühsam zusammensuchen muss. Wer das nicht akzeptiert, verkennt die Realität der Zukunft von SEO und GEO.
Und trotzdem bleiben Blogs, Ratgeber und Magazine innerhalb von Websites extrem wichtig. Ja, sie holen nicht mehr so viel organischen Traffic rein wie früher. Aber sie erfüllen ganz andere Zwecke, die mir in den Diskussionen rund um SEO und GEO deutlich zu kurz kommen.
EEAT
Wenn ich als erfahrener (E) Experte (E) mit Autorität (A) und Vertrauen (T; Trust) für ein Thema wahrgenommen werden möchte, muss ich Themen besetzen. EEAT gilt nicht nur für Google, das diesen Begriff geprägt hat. EEAT gilt genauso für andere Suchmaschinen, für LLMs wie ChatGPT und für jeden Menschen. Jeder Mensch beurteilt zumindest unterbewusst, ob er einer Entität, die etwas von sich gibt, als erfahrenen Experte mit Autorität mein Vertrauen schenkt oder nicht.
Beispiel, das vermutlich jeder kennt: Wenn ich bei Amazon mal wieder nach einem USB-Kabel, einem Switch oder sonst einem Produkt suche, dann kommt meistens nicht viel dabei raus. Irgendwelche China-Billigware mit fragwürdigen Rezensionen. Also kommt irgendwann die Suche nach Produkt + Marke (z. B. Anker, Logitech oder SanDisk). Das ist EEAT für Menschen par excellance.
Themen besetze ich aber nicht nur einer Landingpage. Sondern mit ergänzendem Content, wie diesem hier. Dieser Artikel verfolgt genau dieses Prinzip.
Nicht-organic User
Viele Websites machen auch im KI-Zeitalter noch über die Hälfte ihres Website-Traffics mit Usern, die aus der organischen Suche wie Google kommen. Für die mache ich ja vermeintlich meinen SEO-Content. Aber es gibt doch auch zahlreiche User, die eine Website besuchen, die nicht von Google kommen. Sie kommen von Social Media, sie haben einen Newsletter gelesen, sie haben Werbung aller Art (Plakat, Flyer, YouTube, TV usw.) gesehen oder kommen direkt.
Diese User surfen aus welchem Grund auch immer auf Deiner Website. Sie klicken, sie informieren sich an ganz unterschiedlichen Punkte der User Journey. Websites sind doch auch für diese User gemacht. Wenn ich dazu keinen Content habe, weil ich sage, dieser SEO-Content hat keinen Wert mehr, weil KI alles beantwortet, dann bediene ich das Thema nicht und bleibe unsichtbar.
Quelle für ChatGPT und Co.
Viele GEO-Strategien zielen nicht mehr auf informationellen Content ab. Das halte ich in vielen Bereichen für nicht nachhaltig und fahrlässig.
ChatGPT, AI Overviews und alle LLMs nutzen Deine Website als Quelle für ihre Modelle. Ob das urheberrechtlich richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist aber aktuell die Lage und die Realität, der wir uns stellen müssen. Ich sehe es jedoch so, dass ich lieber als Quelle genannt und als Experte für dieses Thema wahrgenommen werde als nicht. Das muss jeder für sich entscheiden.
Insbesondere in den AI Overviews gibt es jedoch zusätzliche Möglichkeiten. Google gibt eine Antwort, nennt jedoch auch Websites, bei denen sich der User tiefer mit dem Thema beschäftigen kann:
Bei ChatGPT ist die Antwort fast identisch. Es werden auch viele Quellen verwendet, die in den AI Overviews genannt werden. Einen Verweis auf einen relevanten Content-Hub gibt es allerdings nicht.
Eins sollte man zudem wissen (Stand: Juli 2026):
- 16,4 Mrd. Suchen pro Tag bei Google
- 2,5 Mrd. Prompts pro Tag bei ChatGPT
ChatGPT ist extrem wichtig. Und Google mit seinen AI Overviews wird Dir verlorenen Traffic nicht zurückbringen. Dennoch haben Ratgeber, Magazine und Blogs weiterhin sehr großes Potenzial. Nicht mehr das Riesenpotenzial wie vor der KI-Ära. Aber zu sagen, dieser Content lohnt sich nicht mehr, ist falsch und zu kurzsichtig gedacht.
Voraussetzung, dass das klappt, sind die richtigen Metriken. Traffic ist definitiv kein KPI mehr. Sichtbarkeit in KI-Systemen ist ein Branding-Thema mit genau diesen nicht klar quantifizierbaren Möglichkeiten der Messung wie die TV-Werbung und die Bandenwerbung im Stadion.
Organic Traffic
Ob ich mich in der Überschrift geirrt habe? Keineswegs. Ich mache mit Dir einen Ausflug in Deine erste Gehversuche in der Mathematik:
Selbst wenn ich 60 Prozent weniger organischen Traffic habe, bleiben 40 Prozent übrig. Rechnen wir das mal durch, damit klarer wird, was ich meine.
Eine fiktive Website hatte vor dem KI-Zeitalter einen Gesamt-Traffic von 1 Mio. Sessions pro Jahr. 50 Prozent davon kommen aus der organischen Suche, 20 Prozent sind Direktzugriffe, 10 Prozent kommen über Paid-Kanäle wie SEA und Social-Media-Ads und die restlichen 10 Prozent verteilen sich auf E-Mail, AI-Traffic und Co.
Organic macht also 500.000 Sessions pro Jahr, alles andere zusammen ebenso. Bleiben wir bei 60 Prozent Rückgang bei Organic, blieben 200.000 Sessions übrig. Die Verteilung ändert sich so, dass Organic nur noch 28,5 Prozent Anteil hat (200.000 ÷ 700.000). Bei einem realistischen Mediaäquivalenzwert von 1 Euro pro Session wäre das immer noch ein Gegenwert von 200.000 Euro.
Und der soll keine Relevanz mehr haben? Du kannst die Entwicklungen in der SEO und GEO nicht aufhalten. Aber die Flinte ins Korn zu werfen und zu behaupten, das bringt alles nichts mehr, ist eine betriebswirtschaftliche Bankrotterklärung.
Fazit
Mit LLMs und KI hat sich die Suche grundlegend verändert. SEO-Content ist nicht der richtige Begriff und denkt zu kurz. Spammiger SEO-Content ist definitiv tot und darf kein Bestandteil einer modernen Content-Strategie sein.
Allerdings kann mit informationellem Content weiterhin sehr viel erreicht werden, selbst Traffic ist weiterhin in großem Maße möglich. Viel wichtiger ist dieser Content jedoch für Menschen, die Deine Website besuchen, für EEAT und die Positionierung für Themen, die sich an den Unternehmenszielen ausrichten.
Du brauchst Hilfe bei diesem Thema? Dann melde Dich ganz unverbindlich bei mir und wir schauen, wie ich Dir helfen kann.



