Vorsicht bei Disavow in der Google Search Console

Vorsicht bei Disavow in der GSC

Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen eindrücklich, dass das Disavow-Tool in der Google Search Console kein Copy-Paste-Spielzeug für Tool- und LLM-User ist. In einem Fall wurde dank Disavow Sichtbarkeit und Umsatz gerettet, im anderen Fall ging es spürbar bergab. Was genau richtig und falsch gemacht wurde, erfährst Du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Disavow wirkt, auch wenn es Google gerne kleindredet
  • Disavow kann Websites deutlich stärken, aber auch zerstören
  • Das Problem ist nicht Disavow, sondern die unbedachte Nutzung meist mit der Übernahme von Tool-Empfehlungen

„Google erkennt schlechte Links automatisch“

Das ist die Position, die man in der SEO-Szene ständig hört, und die Google selbst seit Jahren wiederholt: Der Algorithmus ignoriert minderwertige oder toxische Backlinks im Zweifel einfach.1 Disavow sei also bestenfalls ein Placebo für nervöse SEOs, die sich sonst nicht zu helfen wissen.

Ich kann diese Position nachvollziehen. Sie nimmt Druck raus, sie schützt Google vor der Debatte über negative SEO, und sie klingt beruhigend. Trotzdem passt sie nicht zu dem, was ich in der Praxis immer wieder sehe.

Zwei Cases, zwei Extreme

Im ersten Fall hatte eine Seite über Jahre ein toxisches Linkprofil aufgebaut. Klassisches Ergebnis früherer, aggressiver Linkbuilding-Kampagnen. Die Sichtbarkeit war eingebrochen, der Umsatz entsprechend auch.

Nach einer sauberen, manuell geprüften Disavow-File kam die Sichtbarkeit nicht nur zurück, sie hat sich stabilisiert und der Umsatz hat sich fast verdoppelt.

Positive Auswirkungen von Disavow auf die Sichtbarkeit
Sichtbarkeitsentwicklung kurz nach der Überarbeitung der Disavow-Datei
Quelle: Sistrix

Im zweiten Fall lief es genau andersherum: Hier wurde ein SEO-Tool eingesetzt, das Backlinks nach Muster bewertet und Empfehlungen für die Disavow-File ausspuckt. Vor allem viele Links von ausländischen Websites landeten auf der Liste. Klingt erstmal nach solider Hygiene.

Das Problem: Genau in diesem Paket war eine große, renommierte Website dabei, die für das Linkprofil enorm wichtig war. Die Seite verlor nach der Abwertung spürbar an Sichtbarkeit und auch an Umsatz.

Negative Auswirkungen von Disavow auf die Sichtbarkeit
Negativer Sichtbarkeitstrend nach dem Upload eines neuen Disavow-Files
Quelle: Sistrix

An dem Punkt ganz rechts im Diagramm wurde ich um eine zweite Meinung im Rahmen meines SEO-Sparrings gebeten. Auf den ersten Blick fiel mir das Problem gar nicht auf, auf den zweiten allerdings schon.

John Mueller von Google sagt es selbst

Genau diese Wirkung hat John Mueller von Google kürzlich bestätigt, wie Christian Kunz von SEO-Südwest berichtete. Anlass war der Beitrag eines Nutzers, dessen Website nach dem Abwerten von Backlinks für wichtige Keywords aus den Top-Rankings verschwunden war. Mueller antwortete sinngemäß: Es gebe viele, die das Disavow-Tool nicht mögen, aber es habe seine Berechtigung, und es habe messbare Auswirkungen.2

Sein Rat war differenziert: Erst die Datei mit den abzuwertenden Links bereinigen, dann nach anderen möglichen Ursachen für die Rankingverluste suchen. Das Abwerten einer Handvoll Backlinks führe seiner Einschätzung nach nicht dazu, dass eine Website komplett aus der Suche verschwindet.

Und damit sind wir beim eigentlichen Kern des Problems, den Mueller im gleichen Atemzug mitliefert: Man kann häufig gar nicht sicher sagen, ob ein Link für Google als Spam gilt oder ob er nicht sogar einen positiven Beitrag zu den Rankings leistet. Wertet man einen solchen Link versehentlich ab, kann das den Rankings mehr schaden als der vermeintlich toxische Link, den man eigentlich loswerden wollte.

John Muellers Statement zur Disavow-File im September 2026
Statement von John Mueller von Google im September 2026
Quelle: SEO-Südwest (Originalquelle unbekannt)

KI- & Tool-Empfehlungen sind gefährlich

Genau hier trennen sich für mich die beiden Fälle:

  • Der positive Case war das Ergebnis einer manuellen, kontextbezogenen Prüfung. Ein echter Mensch (ja, die gibt’s noch) hat sich das Linkprofil angeschaut und verstanden, welche Links tatsächlich schaden.
  • Im negativen Case war das Ergebnis einer Logik, die „ausländische Domain“ mit „verdächtig“ gleichsetzt, ohne zu fragen, welche Autorität und welchen thematischen Bezug diese Domain eigentlich hat.

Gerade der letzte Punkt ist sehr wichtig: Thematischer Bezug ist häufig nicht länderspezifisch. Vielleicht wird Deine Expertise in einem anderen Land geschätzt und diskutiert. Klar, ein Forum im 2000er-Jahre-Sytle in einer nicht verständlichen Sprache wirkt erstmal abschreckend und wenig wertvoll. Aber vielleicht ist es genau das, das extrem wertvoll ist. Nicht nur für Googles Linkbewertungen, sondern auch für menschliche User.

Ganz ehrlich? Ein SEO-Tool oder auch eine fancy KI-Antwort, die nach Herkunftsland oder oberflächlichen Metriken filtert, kennen den Unterschied zwischen einer Spam-Farm und einer der bekanntesten Fachpublikationen eines Marktes nicht. Genau diesen Unterschied muss aber jemand mit Erfahrung treffen und zwar Zeile für Zeile und nicht per Bulk-Export.

Ich bin da geteilter Meinung, was den Umgang mit Disavow in der Praxis angeht: Ich halte es für naiv, sich auf Googles Beruhigungspille zu verlassen und Disavow komplett zu ignorieren. Genauso halte ich es für realitätsfern, Disavow blind als Automatisierungsaufgabe an ein Tool zu delegieren, das keinen Kontext versteht. Und: Das Disavow-File ist keine Praktikantenaufgabe! Es braucht erfahrene Experten und mindestens vier, besser sechs Augen.

Fazit

Disavow ist weder wirkungslos, wie Google es gerne darstellt, noch ein Feld für automatisierte Tool- oder KI-Logik. Meine beiden Cases zeigen die volle Bandbreite von fast verdoppeltem Umsatz bis zu spürbaren Verlusten, je nachdem, wie sorgfältig die Datei zusammengestellt wurde.

John Muellers Einschätzung passt genau in dieses Bild: Disavow wirkt, aber die Verantwortung für jede einzelne Zeile in der Datei lässt sich nicht outsourcen.

Damit Dir das nicht passiert, helfe ich Dir gerne mit einem einmaligen oder regelmäßigen SEO-Sparring.


  1. Links zu Ihrer Website für ungültig erklären, Google Search Console-Hilfe. ↩︎
  2. Christian Kunz: Google: Das Disavow-Tool zum Abwerten von Links kann auch negative Auswirkungen haben, SEO-Südwest, 2. September 2026 ↩︎

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