KI-Wasserzeichen: Ein anderer Blick
Mitten im Sommerloch im August 2026 gibt es eine neue Sau, die durch’s Dorf getrieben wird: Anthropic bzw. Claude führt KI-Wasserzeichen für Texte ein. Das heißt, Texte werden für Menschen unsichtbar mit einem KI-Wasserzeichen versehen, damit maschinell bewertet werden kann, ob ein Text KI-generiert ist oder nicht.
In diesem Artikel wage ich einen anderen, differenzierteren und in die Zukunft gerichteten Blick auf die KI-Wasserzeichen. Ich bin gespannt auf Deine Meinung.
Das Wichtigste in Kürze
- KI-Wasserzeichen markieren KI-generirte Texte unsichtbar für Menschen
- Laut Google seien KI-generierte Texte nicht von Nachteil für SEO und GEO
- Das Thema ist jedoch größer und es geht vor allem um Qualitätssicherung der LLMs
Was sind KI-Wasserzeichen?
Nur ganz kurz, weil darüber an anderen Stellen sehr ausführlich berichtet wurde: Das Unternehmen Anthropic, das hinter dem LLM Claude steht, hat am 11. August 2026 verkündet, dass sie in Claude generierte Texte mit einem KI-Wasserzeichen versehen und diese KI-generierten Texte damit kennzeichnen.1 Auch Google2 und OpenAI3 sowie Meta, Microsoft und Mistral4 haben im Rahmen von Selbstverpflichtungen entsprechende KI-Wasserzeichen angekündigt.
Für Menschen sind diese KI-Wasserzeichen unsichtbar. Durch verwendete Muster sind sie für Maschinen jedoch eindeutig erkennbar.
Was bedeutet das für SEO und GEO?
Was die KI-Wasserzeichen für SEO und GEO bedeuten, ist die Frage, die mich und viele in der Online-Marketing-Szene nun umtreibt.
Google sagt, dass KI-generierter Content, auch wenn er durch ein KI-Wasserzeichen erkannt wurde, kein Nachteil für SEO und GEO hat.5 Schaut man sich LinkedIn nach dem 11. August 2026 an, heißt das wieder für ganz viele, es gibt keine Gefahr und wir können die KI-Wasserzeichen für unsere SEO- und GEO-Strategie ignorieren.
Ich halte diese Naivität für grundlegende falsch! Mehr dazu später im Artikel.
Einordnung der Google-Aussage
Nur weil Google etwas behauptet, heißt es noch lange nicht, dass es zutrifft. Google hat schon so oft etwas gesagt und beschwichtigt und es am Ende nachweislich trotzdem gemacht (vgl. Google-Leak). Und selbst, wenn es aktuell so ist, dass KI-Wasserzeichen keinen Nachteil für die digitale Sichtbarkeit haben, so ist das keine Versicherung für die Zukunft.
Google ist Google
Was mich am meisten stört: Die Naivität, dass das was Google sagt, auf alle anderen projiziert wird. Ja, es ist nachgewiesen, dass OpenAI und Co. Google durchaus als Quelle verwenden und funktionierende Methoden von Google adaptiert werden.
Aber niemand weiß, wie OpenAI und Co. KI-generierte Texte, egal, ob von sich selbst oder von anderen, die mit einem KI-Wasserzeichen ausgestattet sind, bewerten. Nur weil Google behauptet, dass es ihnen egal ist, heißt das nicht, dass es andere auch so handhaben.
Warum wehren sich Google, OpenAI und Co. nicht?
Was ich auffällig finde: Alle KI- bzw. LLM-Anbieter unterwerfen sich freiwillig diesen durchaus einschränkenden Maßnahmen und positionieren sich medienwirksam als Samariter der Digitalbranche.
Ich schließe daraus, dass dahinter irgendein monetärer Anreiz steckt. Niemand und schon gar nicht diese Unternehmen unterwerfen sich freiwillig, den eigenen Unternehmen eher im Weg stehenden Maßnahmen. Also muss etwas anderes dahinterstecken, oder?
Das größte Problem für LLM-Anbieter
Für mich haben KI-Wasserzeichen das Potenzial zur Lösung eines ganz großen Problems. KI- bzw. LLM-Systeme nutzen vorhandene Daten zum Training ihrer Modelle. Bereits im Anfang 2025 gab es im öffentlich zugänglichen Internet mehr neuen KI-generierten Content als menschlichen.6
Das heißt, immer mehr Content, den LLMs für ihre Modelle konsumieren und verarbeiten, stammt von LLMs. Inklusive dünner Daten, Unwahrheiten, Halluzinationen usw. Für LLM-Anbieter ist das ein Problem, denn die Qualität ihrer Modelle und damit der Antworten wird damit nicht besser, im Gegenteil.
Für dieses Problem gibt es einige Begriffe wie synthetische Daten, Model Collapse, Habsburg-KI, Ouroboros-Effekt oder auch KI-Inzucht.
Die Folge: KI-Wasserzeichen
Also was machen die LLM-Anbieter: Richtig, KI-Wasserzeichen einführen, sich dafür medial feiern lassen, aber gleichzeitig einen riesigen Schutz für die Qualitätssicherung innerhalb ihrer Modelle erschaffen. Eigentlich genial, oder?
In der ganzen Debatte, die ich anfangs als naiv bezeichnet habe, kommt mir genau dieser Gedankenansatz zu kurz. Ich habe das Gefühl, viele – nicht alle! – denken überhaupt nicht mehr nach und auch mal etwas weiter. Denn, egal was Google und Co. sagen oder nicht sagen: Fakt ist, dass KI-Wasserzeichen einen ganz anderen Zweck verfolgen, als die Unterwerfung der Unternehmen i. S. d. EU AI Acts oder sonstigen rechtlichen Regulierungen.
KI-Wasserzeichen sagen viel mehr aus
Für mich beantwortet diese tiefere Betrachtung auch die Frage, wie man in der SEO und GEO mit KI-Wasserzeichen umgehen sollte.
KI- bzw. LLM-generierte Texte werden zukünftig von allen Anbietern, egal wie sie heißen, erkannt. Falls diese Erkenntnis tatsächlich nicht negativ ausgelegt wird, so wird sie dennoch erfasst und protokolliert. Gut möglich, dass Websites und Unternehmen, einen internen Bewertungsscore bekommen, wie viel KI-Content verwendet wird.
Spätestens wenn die Qualität der LLMs aufgrund von zu viel KI in den Trainingsdaten sinkt, werden diese Scores herangezogen und Websites und Unternehmen neu bewertet. Wer taugt dem Modell zum Training und wer nicht?
Und ich bin davon überzeugt, dass das auch heute schon geschieht. Google kann lange behaupten, KI-Content wird nicht bestraft. Wird er auch nicht direkt. Aber Websites und Unternehmen, die hochwertigen Content von echten Menschen anbieten, werden für konsumierende Menschen immer interessanter und wertvoller sein. Und genau diese Vorlieben werden Google, OpenAI und Co. nutzen, um ihre Modelle besser zu machen und sich vom KI-Content abzugrenzen.
Und um letztendlich mehr Geld zu verdienen über Ads.
Also, was tun mit KI-Wasserzeichen?
KI-Wasserzeichen sind kein Wasserzeichen, wie man sie sich vorstellt. Es sind Muster innerhalb von Texten, die Maschinen erkennen können. Schaut man sich die Vorschläge der Google-Suche an, sieht man, dass nun ganz viele danach suchen, wie man diese Wasserzeichen entfernen kann.
Ich habe auch schon bei LinkedIn gelesen, man könnten den Text ja einfach händisch abschreiben. Doch dann übernimmt man die KI-Wasserzeichen, weil es eben kein Label ist, das irgendwo drübergeklebt wurde, sondern der Text selbst ist das KI-Wasserzeichen.
Ich empfehle ganz klar auch im Rahmen meines SEO- und GEO-Sparrings, dass man den Fokus auf menschlichen Content legen sollte. Natürlich kann KI unterstützen. Aber ganze Textpassagen per Copy und Paste übernehmen, würde ich lassen.
Dieser Artikel entstand komplett händisch. Kein einziger Buchstabe kommt aus einem LLM oder wurde abgeschrieben. Aber selbstverständlich habe ich in der Recherche der Quellen (siehe Fußnoten) AI Mode verwendet. Das ist doch mega, früher hätte man sich die Finger blutig gesucht und heute bekomme ich innerhalb von wenigen Prompts saubere Ergebnisse, die diesen Artikel massiv aufwerten, weil ich nicht nur behaupte, sondern belege.
Fazit
Also, was bleibt: Man sollte, wie immer, die ganze Thematik differenziert und objektiv betrachten. Nicht nur das hören und für bare Münze nehmen, was einem selbst am besten taugt.
Genauso wie bei der Diskussion ob SEO oder GEO oder auch der Zukunft von SEO und GEO gilt der gesunde Menschenverstand und dass es selten nur Schwarz oder Weiß gibt. Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen und pauschal für jeden Case sollte man sowieso nicht urteilen.
Ich werde mich weiterhin auf menschlich generierten Content konzentrieren und in der Recherche KI als effektives und effizientes Werkzeug verwenden.
Wie gehst Du mit den KI-Wasserzeichen für Texte um? Schreib’s mir gerne als Kommentar bei LinkedIn.
Dieser Artikel wurde im Rahmen des Messy-Middle-Madness-Live-Streams von Marco Janck am 14. August 2026 besprochen. Schau gerne mal vorbei.
- Wie Claude KI-genrierte Inhalte kennzeichnet, Claude Support, 11. August 2026 ↩︎
- Pushmeet Kohli: SynthID Detector – a new portal to help identify AI-generated content, News from Google, 20. Mai 2025 ↩︎
- Herkunftssignale (Content Credentials, SynthID) in OpenAI-generierten Inhalten, OpenAI, 2. August 2026 ↩︎
- Markus Reinisch: Meta is Signing the EU AI Act Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content, Meta, 28. Juli 2026 ↩︎
- Leitfaden der Google Suche zur Verwendung von KI-generierten Inhalten auf deiner Website, Google Search Central ↩︎
- Gregory Druck, Jose Luis Paredes, Bevin Benson, Ethan Smith: More Articles Are Now Created by AI Than Humans, Graphite Growth, Oktober 2025 ↩︎

